Ein Nagel zu Kläuschens Sarg

Heute schreibe ich mal wieder etwas über meine Jugendsünden mit Kläuschen, dem 70er ExBundeswehrkäfer, den ich vor Fritzchen hatte.

Wie ich ihn bekam, ist an anderer Stelle geschildert, heute kommt die Geschichte, wie ich ihn verlor. Es begann ganz harmlos damit, daß ich Besuch von einem Freund bekam und wir beide irgendwann, vom Hunger getrieben, einen Abstecher zum Schnellchinesen machen wollten. Dabei übersah ich eine Stadtbahn der Hannoverschen Verkehrsbetriebe, was an sich nur schwer möglich ist, waren sie doch damals, 1988 schon relativ groß und grün. Einzige Entschuldigung, als ich sie sah, stand sie an der Haltestelle. Als ich ein paar Sekunden später die Schienen queren wollte, steckte sie plötzlich in meiner Fahrerseite.

Nun sind hannoversche Stadtbahnfahrer ebenso ausgebildet wie überall sonst auf der Welt. Es scheint da eine Regel zu geben, siehst Du ein Hindernis, dann betätige die Klingel, aber bloß nicht die Bremse. Ich hatte noch Glück im Unglück, die schwere Kupplung vorn am Stadtbahnzug zeigte nach links und hatte sich über Kläuschens linkes Vorderrad geschoben, anstatt auf meinem Sitz zu landen.

Als wir den Schaden besahen, war er trotzdem nicht unerheblich. Kofferhaube und linker Kotflügel waren hin. Die Fahrertür und die B-Säule hatten einen kleinen Querknick, wo die rechte Kante der Stadtbahn getroffen hatte und die Vorderachse hatte es auch erwischt. Kläuschen fuhr zwar noch, wollte aber immer große Linkskurven drehen. Finanziell sicher ein Totalschaden, aber nicht für einen Käferverrückten wie mich. Wenn doch damals die Verrücktheit wenigstens auch mit etwas Sachverstand gepaart gewesen wäre…

Ich tingelte also wieder über die Schrottplätze und kaufte einen orangen Kotflügel und eine weinrote Kofferraumhaube. Beides wurde mit der Sprühdose (mehr liessen meine finanziellen Mittel nicht zu) umlackiert und zur Werkstatt gebracht, wo die Seitenwand ausgebeult wurde und ein neuer Vorderachskörper installiert wurde. Leider vergass die Werkstatt, auch die Querlenker zu wechseln, weshalb Kläuschen auch nach der Reparatur nie mehr wirklich geradeaus fuhr, geschweige denn bremste.

In einer Sache konnte ich mich dann aber doch etwas mit Ruhm bekleckern. Nicht einmal die Werkstatt fühlte sich in der Lage, den Knick aus der B-Säule zu bekommen. Mir gelang es an einem ruhigen Nachmittag mit Hammer und Hartholz, den Knick zu beseitigen und somit zumindest Kläuschens Antlitz einigermaßen wiederherzustellen.

Allerdings hatte mich die gesamte Aktion so konfus gemacht, daß ich irgendwie die Freude am Käfer kurzzeitig verlor und der Plan in mir wach wurde, einen Bulli zu kaufen. Dank Omas Finanzspritze und der Aussicht auf eine Ferienjob setzte ich diese Idee in die Tat um und kaufe mir einen 76er VW Bus. Den Käfer lieh ich meinem Bruder, der dass aber irgendwie mißverstand.

So kam es, wie es kommen musste, mein Bruder fuhr den Käfer eine Zeit lang, ärgerte sich über den Linksdrall, kaufte sich ein anderes Auto und verschrottete Kläuschen.

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