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Digitale Evolution

Digitale EvolutionEs passierte auf einem Innovationsworkshop letztes Jahr. 20 Kolleginnen und Kollegen zwischen 28 und 58 treffen sich zum Vorabend-Bier. Diverse rege Diskussionen über das was war, das was ist und das was sein könnte. René, ca. 30, kommt mit einer interessanten Idee. Frank, knapp über 50, lässt sie sich durch den Kopf gehen und fragt nach ein paar möglichen Stolperfallen in Renés Plan.

Antwort: “So ist das immer mit euch Digital Immigrants, immer seht ihr nur die Probleme und redet Ideen klein. Wir Digital Natives müssen mit unseren Ideen warten, bis ihr ausgestorben seid.

Ich verstehe mich gut mit René, aber so was hatte ich nicht erwartet. Ich, ein Digital Immigrant. Und so ein 30-jähriger Jungspund nennt mich so? Noch Eierschale hinter den Ohren und mich zum alten Eisen definieren wollen?

Was ist überhaupt ein Digital Native? So nennt sich die Generation, die mit Computern, Spielekonsolen und Handys groß geworden ist. Ja, genau, die kleinen Krabbler, denen wir früher erst die Windeln gewechselt haben um ihnen kurz danach unsere alten PCs zu schenken oder sie mit Handys zu versorgen. Und was macht uns über 30-jährige zu Digital Immigrants? Wir hatten nach Ansicht der Digital Natives das Pech, erst als Erwachsene mit Computern in Berührung gekommen zu sein.

Das Spannende an unseren Gespräch war, dass sich der junge Digital Native als überlegen fühlte, zumindest, was Technik angeht. Ist das so, sind Digital Natives wirklich fixer in der Adaption neuer Technologien. Hilft es einem, damit aufgewachsen zu sein? Oder ist es nicht vielleicht so, dass man mindestens ebenso gut mithalten kann, wie diejenigen, deren Kinderzimmer schon WLAN hatte? Und was erdreisten sich diese Digital Natives eigentlich, uns als Digital Immigrants zu bezeichnen. Wenn schon dann Digital Adaptives, Digital Explorers oder Digital Discoverers, dass kommt der Sache viel näher. Wir waren es, die im Vollbesitz unserer geistigen Kräfte ein unentdecktes Land bereisten und die Welt für die Digital Natives vorbereitet haben.

Was unterscheidet einen Digital Native Baujahr 1985 von einem Digital Explorer Baujahr 1962? Das elektrischste in meinem Kinderzimmer war eine Carrera Autorennbahn und ein Schuco Porsche 911, der hupen konnte. In Renés Kinderzimmer gab es dagegen wahrscheinlich schon einen Nintendo Gameboy und vielleicht sogar schon Papas alten Pentium PC, um Tomb Raider zu spielen. Wenn ich mich als Kind gelangweilt habe, war da als einfacher Ausweg kein Gameboy zum Rumdaddeln. Ob es nun besser ist, sich zu langweilen oder sich mit Daddeln zu beschäftigen, mag ich nicht beurteilen. Beides hat Licht- und Schattenseiten.

Eins aber unterscheidet Digital Explorer und Digital Natives. Als Digital Explorer kann man sich an Tage ohne Computer erinnern und weiss, dass es mal Zeiten gab, als die ganze Welt ohne Computer funktioniert hat. Das ist Wissensschatz und Ballast zugleich. Denn Digital Natives schleppen diesen Prä-PC Ballast nicht mit sich herum. Wahrscheinlich adaptieren sie deshalb in der Regel schneller, eben weil es dieses “früher haben wir das so gemacht” als Argument oder Bremse nicht gibt.

Trotzdem, auch wenn ich die Wahl gehabt hätte, ich wäre lieber Digital Explorer geworden. Es war und ist einfach spannend, zu sehen, wohin die digitale Reise geht, mit allen Irrwegen und Sackgassen. Jedenfalls nicht zu einem riesigen Ding mit bunten Lichtern, dass sich nur von Spezialisten befragen lässt und mit der Stimme von Majel Barrett redet.

Und schauen wir mal, wie die Kinder der Digital Natives die Generation ihrer Eltern nennen werden…

Ist die SPD noch sozialdemokratisch?

Einfache Antwort: Ja

Das Problem ist nicht die SPD als Partei mit einer langen Geschichte, in der gerade für die Menschen dieses Landes viel erreicht wurde. Die SPD besteht aus wesentlich mehr als einer Bundestagsfraktion, sie besteht aus ca. 500.000 Mitgliedern und einer weit höheren Dunkelziffer, die zwar nicht in der Partei sind, aber an sozialdemokratischen Werten festhalten. Sie besteht auch aus dem hart erkämpften Nachlass derer, die für ihre sozialdemokratische Überzeugung ins Gefängnis oder ins KZ gegangen sind.

Nein, das Problem sind die SPD-Abgeordneten des Bundestags sowie die Parteiführung der SPD, die augenscheinlich eben diese sozialdemokratischen Werte vergessen haben. Und diese Abgeordneten werden bei der Wahl im September die Quittung dafür kriegen. Die SPD-Spitze wird sich natürlich auch nach dem nächsten Bundestagswahlfiasko noch im Reichstag treffen, aber die Zahl derer, die ihnen als Stimmvieh folgen, wird drastisch gesunken sein, sowohl innerhalb des Plenarsaals als auch draussen im Land.

Lassen wir die sozialdemokratischen Werte mal ganz außen vor und denken einfach mal taktisch. Was kann die SPD-Bundestagsfraktion gewinnen, wenn sie sich der CDU beim Thema Internetzensur anschließt. Nichts, genau gar nichts. Es wird als Initiative der CDU verkauft, jedenfalls bei denen, die blauäugig oder dumm genug sind, den vorgeschobenen Grund der Verhinderung von Kinderpornographie zu glauben.

Andererseits, was hätte die SPD-Bundestagsfraktion zu gewinnen, wenn sie gegen den “Entwurf eines Gesetzes zur Bekämpfung der Kinderpornographie in Kommunikationsnetzen” stimmt? Neben der Sympathie von 134.014 Unterzeichnern der ePetition gegen eben diesen Gesetzentwurf würde die SPD-Fraktion Profil zeigen und Medienkompetenz beweisen. OK, jetzt, nach dieser ganzen Debatte ist es dafür fast zu spät. Allerdings ist es nie zu spät, einen Schritt zurück zu treten und offen zu bekennen, dass man sich geirrt hat oder es sich nochmal überlegt hat und lieber nochmal gründlich über alles nachdenken will. Stattdessen kommt mir das SPD-Präsidium und die Fraktion so vor wie ein verstocktes Kind, dass nach der Devise handelt, jetzt erst recht. Wenn man schon scheitert, dann wenigstens grandios.

Franz, Peter und Frank-Walter, ich prophezeie euch, dass eure Namen auf ewig mit der Tatsache verbunden sein werden, dass ihr es wart, die durch eure lockere Haltung zum Grundgesetz die SPD zur drittstärksten Partei gemacht habt.

Ich frage mich, wann die Parteiausschlußverfahren gegen euch wohl stattfinden werden, denn mit Sozialdemokratie hat das Schauspiel, dass ihr derzeit abliefert, nichts mehr zu tun. Und wie parteischädigend euer derzeitiges Wirken ist, werden die nächsten Wahlen zeigen.

Heute ist ein schwarzer Tag für die Demokratie und ein besonders schwarzer Tag ist es für die Sozialdemokratie, weil ihr, Franz, Peter und Frank-Walter das Erbe derer, die die SPD einmal aufgebaut haben, gerade heute, am 18.06.2009 verraten habt.

SPD, wo bist Du?

willy_waehlenHey SPD, weisst Du noch, als ich mich auf dem Schulhof für Dich gekloppt habe? Das war damals, Anfang der 70er, als es darum ging, die jahrzehntelange schwarze Agonie der Adenauers und Kiesingers abzuschütteln.

OK, das hat mir damals nichts gesagt, ich habe mich nur für Dich gekloppt, weil mein Vater und mein Opa und überhaupt alle in meiner Familie für die SPD waren. Und ich fand Willy Brandt und Herbert Wehner und Egon Bahr und Carlo Schmid und Annemarie Renger und so einfach echt OK. Die Doofen von der CDU/CSU waren natürlich auch einfach deshalb die Doofen, weil sie eben nicht in der SPD waren und im Fernsehen immer so gemein zu “meinem” Willy waren. Also musste ich mich auf dem Schulhof eben für die SPD mit Guido kloppen, der war nämlich für die CDU.

Dann kam der doofe Spion und Willy war weg. Das war ein schwarzer Tag für mich, denn jetzt sah es kurz so aus, als bekäme Guido auf dem Schulhof Oberwasser. Aber es gab ja noch Helmut Schmidt, der sorgte dafür, dass wir SPD-Jungs auf dem Schulhof regierten.

Später, als die erste Wahl statt fand, bei der auch ich meine Stimme abgeben durfte, hatte die F.D.P. gerade den Kanzlermord begangen und “meinen” Helmut Schmidt auf die kalte Tour abgesägt. OK, der hatte auch nicht den gleichen Knuddelfaktor wie Willy Brandt, aber er begleitete mich beim Erwachsenwerden und dem Erwachen meines politischen Verständnisses. Helmut Schmidt hat mit imponiert, weil er auf intelligente Art intelligente Sachen gesagt hat und weil er wusste, wann man den Mund halten muß.

Als”der Lotse von Bord ging“, scheint Dir, liebe SPD, so langsam der Kurs verschwommen zu sein. Die klugen Köpfe wurden erst rarer, dann, schlimmer noch, weniger klug. Björn Engholm hätte das Ruder vielleicht herumreissen können, aber dem kam die Barschel-Affäre dazwischen. Und dann kam uns allen die Wiedervereinigung dazwischen. Das war gleich doppelt schön für mich, denn “mein” Willy tauchte nochmal auf, sang etwas schräg bei der Nationalhymne mit und schien glücklich. Ich gönnte ihm seinen späten Triumph, denn es ist sicher zu einem guten Teil auch ihm zu verdanken, dass wir heute auf ein ganz anderes Europa blicken als damals, als ich mich für Dich, liebe SPD, auf dem Schulhof gekloppt habe. Wem von Deinen Volksvertretern würde man einen Kniefall wie den Willy Brandt’s in Warschau noch abnehmen? Frank-Walter? Nee. Münte? Wohl auch nicht? Gibt’s da noch andere? War da noch wer? Irgendeine charismatische Figur, mit der sich auch heutige Schulkinder noch so identifizieren könnten, dass sie sich auf dem Schulhof drum balgen würden? Das muss man ja heute auch ablehnen, wo schon Erstklässler schwer bewaffnet in die Pause ausrücken.

Zu Deiner Entlastung könnte man natürlich anführen, dass es den Anderen auch nicht besser geht. Westerwelle hat in keinster Weise Genscher-Format und echte Typen wie Karl Carstens, Heiner Geißler und Franz Josef Strauß sucht man in der politischen Landschaft heute vergebens. Dafür haben die gelernten Politiker gesorgt, erst Helmut Kohl in der CDU, dann Gerhard Schröder bei Dir, liebe SPD.

Es herrscht Einheitbrei. Berufspolitiker, die nichts anständiges gelernt haben mit einer bügelfreien Vita wie fleischgewordene Kens und Barbies bevölkern die Bühne und den Bundestag. Da ist dann wieder Platz für Leute, die noch echte Anliegen haben oder zumindest mal hatten, wie Angela Merkel. Die hat Politik nicht aus Spaß gelernt, sondern, weil es etwas zu bewegen galt.

Hast Du, liebe SPD, auch solche Leute? Ich helfe mal eben beim Nachdenken, wie wär’s mit Matthias Platzeck oder Kurt Beck? Tja, da dachte ich, vielleicht wird dass ja was, wenn einer von denen zumindest Parteivorsitzender wird, aber den Spaß haben ihnen Deine Stromlinienberufspolitiker ja gründlich versaut. Bei Platzek hast Du, liebe SPD, es ja noch geschafft, es wie einen Zufall aussehen zu lassen, aber das Rauskanten von Kurt Beck war echtes Schmierentheater.

Sicher ist Gerhard Schröder nicht ganz unschuldig an der Misere, ist er doch sozusagen der Superhero aller gelernten Politiker. OK, er hat Jura studiert, aber doch wohl eher mit dem Ziel, Politiker zu werden. Dem eifern jetzt alle nach, die in der Politik ihr Heil sehen, um nicht ehrlich arbeiten zu müssen.

Und jetzt gehst Du, liebe SPD, in der großen Koalition ebenso unter wie vor 40 Jahren die CDU. Und das Schlimme ist, Du rennst auch noch fröhlich pfeifend in den Abgrund. Ich will jetzt gar nicht näher darauf eingehen, wie Du Dich #zensursula an den Hals wirfst, aber es ist bezeichnend, dass Du selbst diese Steilvorlage, mal wieder echtes Profil zu zeigen, sausen lässt. Da hättest Du über 115.000 Menschen, die die Petition gegen Internet-Zensur unterzeichnet haben, für die Du Dich einsetzen könntest. Viele davon, ich zum Beispiel, würden Dich evtl. sogar wieder mal wählen. Aber nee, Du schmollst jetzt, weil Du im Europawahlkampf eine Klatsche bekommen hast. Warum hat man Dich denn abgewatscht? Weil Du kein sichtbares Profil mehr hast, keine echte, von der CDU differenzierbare Position vertrittst. Und dann stellt sich einer Deiner Politclowns auch noch hin und fordert eine 50 € Strafe für Nichtwähler. Ja geht’s noch, SPD, Merkst Du’s noch? Disziplinier endlich mal Deine Politclowns, lass wieder Leute mit echten Ideen, Idealen und Charisma ans Ruder.

So, wie Du jetzt bist, würde ich mich nicht mehr auf dem Schulhof für Dich kloppen.

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Die Geschichte meiner Nähmaschine

Ich habe eine alte Nähmaschine. Und ich benutze sie gelegentlich sogar noch. Aber das ist nicht die eigentliche Geschichte. Die beginnt irgendwann 1914, als eine gerade 18 Jahre junge Frau die Singer Nähmaschine zu ihrem Geburtstag bekam.

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Singer Nähmaschine von 1914

Fortan tat das Gerät mit hölzernem Tisch und gusseisernem Unterbau Dienst bei der jungen Frau. Nach ihrer Heirat nahm sie den Namen an, unter dem ich sie kennen lernte, Frau Ummeschein. Sie wohnte mit ihrem Mann, Herrn Ummeschein, und ihrem Schwager und der Schwägerin, noch zwei Ummescheins, sowie meiner Großmutter samt Opa und meinem Vater sowie neun weiteren Mietparteien in Hannover-Limmer, Kirchhöfnerstr. 14.

Das Haus wurde 1934 gebaut. Meine Oma erzählte, sie hätten erst im schon fertigen Eckhaus gewohnt, bis die Nummer 14 bezugsfertig war. Man hatte damals auch die Wahl, ob man eine Dusche einbauen ließ (ohne Mietaufpreis) oder einen kupfernen Badeofen mit gusseiserner Wanne, wofür jeden Monat ein paar Reichsmark extra fällig waren. Oma entschied sich für die Dusche und blieb dabei, bis sie Ende 2003 starb.

Zurück zur Nähmaschine. Nachdem sie in und nach dem ersten Weltkrieg, damals “der Weltkrieg” genannt, Kleider nähte und alte Sachen soweit flickte, dass sie weiter tragbar waren, bereitete sich die Welt auf den nächsten Weltkrieg vor. Der hätte auch die Nähmaschine um ein Haar erwischt. Eine alliierte Fliegerbombe landete direkt hinter dem Haus Nr. 14 im Hof, glücklicherweise ein Blindgänger. Die Brandbombe, die den Dachstuhl traf, wurde unter den vereinten Kräften der Bewohnerinnen erfolgreich bekämpft.

Außer dem Treffer im Dach blieb das Haus und damit auch die Bewohnerinnen und die Nähmaschine unversehrt. Die Familienväter hatten weniger Glück. Die Brüder Ummeschein und Opa Rennemann, der damals von seinem Opatum natürlich noch nichts wissen konnte, kamen aus dem zweiten Weltkrieg nicht zurück. Zurück blieb ein Haus voller Witwen und die Nähmaschine. Die diente sicher auch nach dem zweiten Krieg dazu, aus der Not neue Klamotten zu machen. Irgendwann wurde ihre Besitzerin zu alt, um sie noch zu benutzen, aber natürlich behielt die Maschine ihren Platz in der Wohnküche.

Anfang 1986 zog ich in das Haus ein, in dem meine Oma und die beiden Frau Ummescheins wohnten. Natürlich kannte ich die Nummer 14 schon seit ich denken konnte. Irgendwann, nachdem ich lesen gelernt hatte, stellte ich dann auch fest, dass Frau Ummeschein eigentlich “Unbescheiden” hieß, aber in Limmer, wo man hannöversch spricht, sprach sich das eben als Frau Ummeschein. Also bleiben wir dabei.

Ich zog in den dritten Stock links, in dem vorher Artchen Schäder, eigentlich Arthur, gewohnt hatte. Artchen war einer der wenigen Herren, die den Krieg im Haus überstanden hatten, zusammen mit Onkel Heini, der in Parterre, gegenüber meiner Oma gewohnt hatte. Ansonsten wohnten außer mir und einer Studentin nur Witwen in Nummer 14.

Die Nähmaschine entdeckte ich, als ich für meine Nachbarin, Frau Ummeschein, eines Tages den Einkauf in die Wohnküche trug. Ich bewunderte das gut erhaltene Stück alter Technik natürlich gebührend und gab meiner Nachbarin den Rat, die Nähmaschine nicht wegzugeben, schließlich sei es mittlerweile selten, ein so gut gepflegtes und voll funktionsfähiges Gerät zu haben.

Ein paar Monate später wurde ich durch Lärm im Treppenhaus von meinem Computer weggerissen. Meine Großmutter versuchte lautstark, meine Nachbarin zu überreden, den Wohnungsschlüssel durch den Briefschlitz zu schieben, damit man die Tür aufmachen könnte. Dahinter lag nämlich meine Nachbarin, aufgrund eines Rheumaanfalls kaum in der Lage, sich zu bewegen. Während meine Oma weiter an den Schlüssel zu kommen versuchte, rief ich die Feuerwehr und einen Krankenwagen.

Als die Feuerwehr da war, war auch der Schlüssel da, die Tür entging also rabiateren Öffnungsversuchen. Dieser Tag war aber auch der Wendepunkt im Leben von Frau Ummeschein, denn sie kehrte nie wieder in ihre Wohnung zurück. Sie übersiedelte in ein Pflegeheim, mit gut 90 Jahren. Mir vermachte sie die Nähmaschine, als Dank für meine (geringe) Hilfe und weil sie der Meinung war, das gute Stück wäre bei mir in guten Händen.

Und in diesen Händen wird sie bleiben, bis ich irgendwann mit 90 jemanden finde, von dem ich glaube, dass er oder sie sie zu schätzen weiss. Jetzt geht das gute Stück auf die 100 zu und ich habe sie schon seit über zwanzig Jahren.

Das Einzige, was gelegentlich nötig ist, ist ein Tropfen Öl und etwas Möbelpolitur. Ein einziges Ersatzteil war in den zwanzig Jahren nötig, das Gummirädchen an der Unterfadenaufspulvorrichtung. Das Original zerbröselte, als ich das erste Mal versuchte, eine Unterfadenspule mit neuem Garn zu befüllen. Total hart und porös. Damals war das Gerät schon über siebzig Jahre als, aber der Singer-Laden in Hannover hatte noch ein passendes Ersatzteil.

Gestern habe ich festgestellt, dass die Unterfadenspulen anscheinend immer noch der Norm entsprechen, der auch meine Maschine folgt. Die Plastik-Unterfadenspulen, die man heutigentags zusammen mit den Garnspulen bekommt, passen in die Aufnahme der 95 Jahre alten Maschine. Respekt!

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Eine Nacht auf der Wartburg

Dieses Wochenende führte uns ein Kurztrip an Eisenach vorbei. Die Gelegenheit haben wir zu einer Übernachtung im Hotel zur Wartburg genutzt, eine Fünf-Sterne-Herberge mit angeschlossenem Restaurant, direkt unter der Wartburg gelegen.

Ein kleiner Abendspaziergang führte uns vor dem Essen noch auf den Aussichtspunkt. Wartburg bei Nacht, irgendwie ein imposanter Anblick.

Danach dann ein opulentes Mal im Restaurant. Das Zimmer unter dem Dach hat einen freien Ausblick auf Eisenach weit unten. Der Sonnenaufgang morgens über der Stadt ist sehenswert. Das Frühstück ebenfalls.

Und vom Hotel aus hat man eine vorzügliche Startposition für die erste Führung durch die Burg. Der Fremdenführer ist spitze, witzig, dabei aber geschichtlich akkurat.

Das Lutherzimmer ist zwar bis auf den Walknochen, den Martin L. als Fußschemel benutzte nicht original, aber es weht einen doch ein wenig der Hauch der Geschichte an.

Danach haben wir noch eine Wanderung Richtung Drachenschlucht gemacht und uns die Umgebung der Wartburg angesehen. Zum Abschluß unseres Burgbesuchs gab’s dann noch ein Mittagessen im Restaurant mit freiem Blick auf den Thüringer Wald.

Fazit, hier fahren wir bestimmt nochmnal hin, wenn’s draussen etwas mehr als -5° hat :-)

Der aktuelle Harry Potter Film…

…kommt mir irgendwie vor wie im Zeitraffer gedreht. OK, es ist nicht ganz leicht, 1000 Seiten Buchtext in zwei Stunden Film zu quetschen. Aber der Geschichte auf der Leinwand zu folgen, wenn man das Buch nicht gelesen hat, dürfte schwierig sein. Selbst ich hatte Schwierigkeiten, die Handlung sinnvoll zusammenzusetzen, obwohl ich das Buch vor drei Wochen nochmal gelesen habe.