Frischzellenkur beim alten Sparkäfer

 

Kläuschen, originally uploaded by BugBlogger.

Auf diesem Bild sieht man meinen 70er Sparkäfer fast noch in dem Zustand, in dem ich ihn erstand. Es fehlt nur die olivgrüne, pardon feldgraue Lackierung. Und die Antenne ist von mir, original war noch der Blindstopfen in der serienmäßigen Aussparung. Was man auf den ersten Blick nicht sieht, als Sparkäfer verfügte Kläuschen natürlich noch über die alte 6V-Elektrik, auch ein ewiger Quell von Problemen, angefangen bei Startschwierigkeiten bis zum Anschlußproblem für 12V-Radios.

So ganz ohne Chrom gefiel er mir natürlich nicht, also wurden in mehreren Schrottplatzbesuchen diverse Chromteile beschafft und ergänzt. Die meisten dieser Schrottplätze exisitieren heute gar nicht mehr, damals wusste ich bei den prominesten davon aber immer genau, wo welche Schlachtkäfer herumstanden.

Kläuschen fuhr zum Schluß mit Radkappen von drei verschiedenen Käfern herum. Aus zwei seiner unverbeulten lackierten Radkappen fertigte ich dafür Uhren. Die verchromten Tür- und Haubengriffe stammen von den selben Spendern (sogar die Türschlösser habe ich umgebaut). Ebenso die Blinkergehäuse auf den vorderen Kotflügeln. Schwierig war schon anno 1985 die Beschaffung von einigermaßen rostfreien und unverbeulten Chromstoßstangen. Durch eine Anzeige im „Heißen Draht“, dem damals in Hannover populären Kleinanzeigenblatt, kam ich zwei intakten Exemplaren auf die Spur, die für unter 100 DM zu haben waren. Sie fanden sich im Keller des Silo, einem Studentenwohnheim in Hannover.

Nicht im Bild sind die nachträglich von mir installierten Automatikgurte vorn, die die originalen Statikgurte ersetzten und das Panasonic-Stereokassettenradio mit Autoreverse-Funktion, für das ich extra den Radioschacht aufgeflext habe. Nein, ich bin nicht stolz darauf. Ebenfalls nicht im Bild ist die zusätzliche 12V-Batterie für den Radiobetrieb, die ich, bis zum Komplettumbau auf 12V, vorn im Kofferraum hatte. Auch der Wischwassertank samt Pumpe aus einem 1700er Ford Taunus, ebenfalls über die zusätzliche Batterie betrieben, sind natürlich nicht im Bild. Zur Betätigung der Pumpe hatte ich extra einen kleinen Kippschalter links unter dem Radio.

Das besondere Gimmick aber war die Tankanzeige, die ich irgendwann aus einem alten schilfgrünen 61er oder 62er ausgebaut habe, der noch fast komplett auf dem Schrottplatz stand. Komplett, aber völlig verrostet. Die Tankanzeige samt Bowdenzug und Schwimmer war aber noch zu gebrauchen. Somit hatte mein Ex-Sparkäfer den vollen Chrom (abgesehen von den Zierleisten) sowie einen Reservehahn (Serie) und eine mechanische Tankanzeige.

Der technische Quantensprung kam dann mit dem 12V-Umbau. Den habe ich nämlich genutzt, um die Bilux-Scheinwerfer gegen Halogenmodelle zu tauschen. Ab da sah man nachts auch etwas im Licht der Scheinwerfer. Die 6V Bilux dienten eher als Positionslichter. Wenn ich mir heute Anleitungen durchlese, was man alles beachten muss, um einen Käfer von 6V auf 12V umzurüsten, kann ich nur den Kopf schütteln, wie unbedarft ich damals an das Thema herangegangen bin. Es wurden einfach Lichtmaschine und Anlasser vom Schrott besorgt, eine neue 12V-Batterie und ein Satz 12V-Birnen erstanden und das Ganze dann gegen die alten 6V-Pendants ausgetauscht. Und der Wagen lief. Und vor allem startete er viel besser. Allerdings hatte ich die Birnchen für den Tacho und die Innenbeleuchtung vergessen, was aber schnell behoben war.

Wahrscheinlich waren Kläuschen und seine zeitgenössischen Pendants die letzte Generation von Autos, an denen man noch ohne Computerunterstützung werkeln konnte.

Schreibe einen Kommentar