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Editorial

Schlägt Windows XP Linux auf Netbooks

Auf wiwo.de ist ein lesenswerter Artikel erschienen, „Windows schlägt Linux„. OK, das klingt etwas reisserisch, aber wenn man weiter liest, klärt sich die Aussage auf. Es geht um Netbooks, genauer, um das Angebot an Betriebssystemen, die man zusammen mit den Netbooks erstehen kann.

Laut Microsoft hat Windows in den USA auf Netbooks einen Marktanteil von 96 %. Ob diese Zahl stimmt, kann nur Microsoft wissen, ein Blick in die aktuellen Netbook-Angebote offenbart aber, dass es zumindest eine größere Auswahl an Windows-Netbooks als an Linux-Netbooks gibt. Dabei kann man alles, was man sinnvollerweise mit einem Netbook tut, unter Linux machen. Zudem hat man beim Linux-Netbook gleich das komplette Softzwarepaket, dass man braucht.

Warum also kommt Linux auch hier nicht in Schlagdistanz zu Windows XP, einem Betriebssystem, dass immerhin schon etliche Jahr eauf dem Buckel hat und gerade aus dem normalen Support herausfällt? Der Autor des wiwo-Artikels vertritt die Auffassung, es läge daran, dass Linux von der Masse der Verbraucher einfach nicht gemocht wird.

Diese Auffassung teile ich nicht. Netbooks sind in der Regel Zweit- oder Drittrechner. D.h. es gibt schon eine Vorauswahl, denn niemand wird sich ein weiteres Betriebssystem zulegen, wenn es die Notwendigkeit dazu nicht gibt. Wer also nicht schon auf dem Haupt-PC Linux nutzt, verspürt keinen großen Drang, es auf dem Netbook einzusetzen. Und der Nachbar, mit dem man sich gelegentlich über PC-Probleme austauscht oder der Freund, der einem bei PC-Problemen hilft, weiss bei Windows auch eher Rat. Linux hat eben nicht den Marktanteil von Windows. Wer daher glaubte, Linux könnte ausgerechnet bei Netbooks die Windows-Marktführerschaft brechen, geht von falschen Voraussetzungen aus.

Darüber hinaus gibt es noch ein anderes Problem. Auch das ist nicht neu, sondern ungefähr so alt wie Linux selbst. Hardwaretreiber für Linux werden, wenn überhaupt, von den Hardwareherstellern zögerlich bis stiefmütterlich behandelt. Neue Treiber erscheinen später als für Windows. Oft ist zusätzliche Konfigurationsarbeit unter Linux notwendig. Mittlerweile findet man zwar für fast jede Hardware, vom Multifunktionsdrucker bis zum UMTS-Stick, die passenden Treiber, aber es ist jedes Mal deutlich mehr Aufwand nötig als bei Windows. Um nicht falsch verstanden zu werden, dass ist kein Fehler von Linux oder ein Vorzug von Windows, es ist schlicht das Gesetz von Angebot und Nachfrage.

Und wenn man sich dann mal die Linux-Installationen ansieht, die man mit dem Notebook bekommt, hinterlassen sie ein sehr heterogenes Bild. Das Linpus-Linux, dass mit meinem Acer-Netbook geliefert wurde, funktionierte zwar einwandfrei mit der vorhandenen Hardware (Webcam, Sound, LAN, WLAN), war als verküppeltes Fedora Linux aber nur umständlich zu erweitern.

In einem stimme ich dem wiwo-Autor sofort zu, hier haben Firmen wie Ubuntu und Novell die Zeichen der Zeit verpennt. Der Ubuntu Netbook Remix (UNR), den es zur 9.04 „offiziell“ geben wird, hätte schon viel eher kommen müssen, um einen nennenswerten Effekt zu erzielen. openSUSE auf einem Netbook zu installieren gelingt auch jetzt nur mit etwas Aufwand. Hier hätte openSUSE/Novell verlorenes Terrain zurück erobern können, wenn man frühzeitig reagiert hätte.

Man stelle sich vor, bei MediaMaxSaturn etc. gäbe es ein neues Netbookangebot, natürlich mit Windows. Und davor, gegenüber des Eingangs, ist ein Ubuntu-Stand, wo man UNR für den Selbstkostenpreis auf USB-Stick bekommt. Noch schöner natürlich, wenn neue Netbooks gleich mit einem echten, voll erweiterbaren und sinnvoll installierten Linux ausgeliefert würden. Acer, Asus, MSI, höret mein Flehen.

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