Thinkpad 600 mit aktuellem Linux, Teil 1

In meiner Rechnersammlung befindet sich u.a. auch ein altes Thinkpad 600, laut Aufkleber auf dem CD-Laufwerk von 1998. Ausgerüstet mit 192 MB RAM, einem 300 MHz Pentium II und einer 4,3 GB Festplatte war das vor knapp zehn Jahren ein gut ausgestattetes Business-Notebook.

Wie kriegt man auf so ein altes Ding ein aktuelles Linux? Linuxe gibt’s genug, also habe ich einfach ein wenig herumprobiert.

Erster Startversuch

Beim reflexartigen Einlegen der Ubuntu-DVD scheitert das Notebook aus nachvollziehbaren Gründen bei der Medienerkennung. Nach längerem Suchen findet sich in meiner Linux-Sammlung eine leidlich aktuelle Ubuntu 7.04 CD.

Starten will die aber nicht, ISO-Linux verlangt nach einem BIOS-Update, um die Maschine mindestens auf einen BIOS-Stand von 2000 zu bringen. Eine späte Blüte des Jahr 2000 Problems?

Egal, jetzt geht erst mal die Suche nach dem Floppy-Laufwerk des Thinkpads los und kaum ist das gefunden, forsche ich nach einer passenden 1,44 MB-Floppy.

Die IBM/Lenovo-Seiten halten tatsächlich noch ein passendes BIOS bereit. Allerdings weigert sich Vista auf meinem Hauptrechner hartnäckig, die Diskette zu formatieren. Das Windows 98 auf dem Notebook macht da weniger Zicken. Die Bootdikette ist schnell erzeugt, will allerdings auf dem Notebook erst booten, als ich das Diskettenlaufwerk aus dem externen Gehäuse nehme und anstatt des CD-ROM-Laufwerks direkt ins Notebook einsetze.

Jetzt klappt’s auch mit dem BIOS-Update.

Nach dem Update lasse ich den Selbsttest laufen, man soll ja nicht glauben, wie lange so ein Selbsttest mit läppischen 192 MB RAM beschäftigt ist.

Trotz Initialisierung und Selbsttest erkennt anschließend das testweise gebootete Windows 98 kein CD-ROM-Laufwerk. OK, die Kontakte sind alt und wurden nur selten benutzt, also Laufwerk raus, Laufwerk rein, neu booten und schon ist das CD-Laufwerk zumindest unter Windows wieder ansprechbar.

Zeit, die Platte aufzuräumen.

Jetzt wird alles, was nicht notwendig ist, von der Platte geputzt. Das Windows dient eigentlich nur noch dazu, alte Spiele zu spielen, also kann alles Büroähnlich runter, dazu alte Logs und der Datenmüll, der sich eben so ansammelt.

Anschließend noch ein Defrag-Lauf, der sich ziemlich hinzieht. Am Ende steht aber eine Festplatte, die jetzt 2,3 GB zusammenhängenden freien Speicherplatz aufweist. Damit ist der erste Tag allerdings schon fast vorbei. Jetzt nur noch schnell ein erster Startversuch mit Linux

Ubuntu 7.04

Diesmal klappt das Booten, zumindest bis zum Auswahlbildschirm für die Sprache. Nachdem Deutsch gewählt wurde, fängt das CD-Laufwerk an zu rödeln, um das System zu laden. Natürlich habe ich vorher nicht nachgesehen, wieviel RAM man denn zum Starten des Livesystems haben muß 😉

Offensichtlich etwas mehr als die 192 MB, die da sind. Irgendwann zeigt sich so etwas wie ein Desktop auf dem Notebook-Screen, zumindest ein Install-Icon. Allerdings weder eine Menüleiste noch sonst irgendwas. Und benutzzbar ist es auch nicht. Nach längerer Wartezeit beende ich das Experiment und lade mir aus dem Netz ein aktuelles Ubuntu 7.10

Ubuntu 7.10

Gefühlt bootet das Notebook mit dem aktuellen Ubuntu etwa genau so schnell wie vorher, der Effekt bleibt allerdings auch gleich, abgesehen davon, das der Bildschirmhintergrund jetzt das kaffeefarbene Bild des neuen Ubuntu-Desktops zeigt. Wieder keine Menüleiste, wieder keine Möglichkeit, das Install-Icon anzuklicken.

Vielleicht ist es ja zu vermessen, ein aktuelles Linux mit einem der Mode-Desktopmanager einsetzen zu wollen. Mal sehen, was es an passenden Ubuntu-Derivaten noch gibt.

Fluxbuntu

Fluxbuntu ist ein Ubuntu mit Fluxbox als Desktop. Fluxbox ist der Nachfolger von Blackbox, eine kleinen, schlanken und schnellen Desktop.

Leider besteht Fluxbox nach dem problemlosen Booten von CD darauf, das es so kleine Festplatten nicht partitionieren könne. Ein Gegencheck mit einer 8 GB grossen VMware-Festplatte erlaubt das Partitionieren.

OK, also vorerst kein Ubuntu. Wie wär’s mit openSUSE?

openSUSE 10.3

Die openSUSE-CD kommt relativ fix per bittorrent an und ist noch schneller gebrannt.

Das System bootet bis zur Installationsauswahl, die eigentliche Installation passiert aber nicht, weil openSUSE jetz gern sofort eine swap-Partition oder ein swap-File hätte.

Da nichts fertig partitioniertes zur Verfügung steht, wähle ich die Option, ein swap-File einrichten zu lassen. Warum die Entwickler das auf den fixen Wert von einem Gigabyte eingestellt haben, erschließt sich mir nicht. Damit ist auch dieses Experiment im ersten Ansatz gescheitert, denn so blieben für die eigentliche Installation nur noch gut ein Gigabyte Plattenplatz übrig. Meine Idee, das swap-File auf einem entsprechenden USB-Stick unterzubringen scheitert daran, dass der U3-Stick nicht erkannt wird.

DSL, Damn Small Linux

Tja, was nun? Wie steht’s mit Damn Small Linux, das trägt seine Tauglichkeit für alte Kisten doch quasi schon im Namen. Und die knapp 50 MB sind als ISO schnell geladen und gebrannt.

Das Booten gestaltet sich dann aber doch interessant, nachdem ich die drei Varianten dsl vga=normal, dsl vga=791 (1024x768x16) und dsl durchprobiert habe, bringt erst dsl vga=xsetup den Durchbruch, weil ich dabei den Framebufferserver auswählen kann. Xvesa mag die alte Grafik, die mit shared RAM arbeitet, nicht.

Noch kurz das Tastaturlayout und die Sprache gewählt und schon habe ich Linux auf dem Desktop des zehn Jahre alten Thinkpad 600 Notebooks gezaubert.

Vorläufiges Fazit

Anno 1998 war es ein echtes Abenteuer, Linux auf einem Thinkpad zum Laufen zu bringen. Knapp zehn Jahre später ist es das offensichtlich entweder immer noch, oder, was wahrscheinlicher ist, wieder. Die Rechnerausstattungen haben in der Zeit einen gewaltigen Schritt weiter gemacht und man kann von aktuellen Distributionen einfach nicht mehr voraussetzen, das so alte Hardware problemlos unterstützt wird.

Gewundert hat mich die hardnäckige Verweigerung von Ubuntu allerdings schon. Es ist keineswegs so, dass man out-of-the-box angegraute Rechner mit dem afrikanischen Linux beglücken kann.

Das openSUSE nicht installierbar ist, wäre leicht zu beheben, wenn die Entwickler die Möglichkeit vorsehen würden, die Größe des swap-Files zu begrenzen. Bei 192 MB RAM sollten 256-512 MB swap reichen. Dann wäre noch Platz für ein installierbares System geblieben.

Auch Fluxbuntu scheint künstlich ausgebremst worden zu sein. Die CD ist nur mit knapp 600 MB gefüllt, sollte sich also in zwei Gigabyte gut installieren lassen. Hier könnte mit etwas Nacharbeit am Installer sicher das Installationsproblem behoben werden.

Das DSL läuft, wundert mich nicht, denn das ist explizit auf Genügsamkeit getuned. Das wird schon am Kernel deutlich, 2.4.31

An die eigentliche Installation mache ich mich dann im nächsten Urlaub…

Schreibe einen Kommentar