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In den Apfel gebissen

Die Produktoffensive, die Apple seit einigen Jahren fährt, hat nun auch unseren Haushalt erfasst. Seit neuestem ziert ein Mac mini den Schreibtisch meiner Frau. Ein kurzer Abriß über die technischen Daten, 1,25 GHz PPC-CPU, 40 GB Festplatte, 512 MB RAM. Einen unschlagbaren Vorteil hat der kleine mit dem Tiger im RAM vom Start weg, er ist wie Linux nicht durch Windows-Viren zu beeindrucken.

Natürlich war ich neugierig auf dieses kleine Design-Wunderwerk der Technik, schließlich werkelt innendrin ja BSD, wenn auch gut versteckt unter der MacIntosh-Oberfläche.

Auspacken, anschließen und Installieren gestaltet sich Apple-typisch einfach. Die Anschlüße an der Rückseite sind allerdings recht übersichtlich, um nicht zu sagen spärlich. Benutzte die beste Ehefrau von allen ehedem an ihrem alten Windows-Notebook einen Paralellport-Scanner, an dem auch der Drucker angeschlossen war, so findet am Mac mangels Paralellport keins dieser Gimmicks Anschluß an den Rechner.

In weiser Voraussicht, damit den WAF hochzuhalten (Women Acceptance Factor), hatte ich zum Mac gleich das passende Apple-Keyboard und die passende Apple-Maus bestellt. Intelligenterweise lässt sich die Maus ans Keyboard anschliessen, somit wird am Rechner nur einer der drei USB-Ports damit belegt. Zusätzlich steht am der Tastatur noch ein weiterer USB-Anschluß, z.B. für einen USB-Stick zur Verfügung. Dafür hat der Mac an der Vorderseite keine zusätzliche USB-Anschlußmöglichkeit, wie es bei X86-PCs seit einiger Zeit Mode ist. Das würde beim Mac mini aber auch die schlichtschöne Optik verschandeln.

Der VGA-Monitor lässt sich nicht direkt an den digitalen Eingang des Macs anschließen, Apple hat aber einen passenden Adapter beigelegt, über den man zwar nichts Gutes in den einschlägigen Foren liest, der bei unserem Familienzuwachs aber klaglos funktioniert, zumindest, bis ein Flachbildschirm für die beste Ehefrau von allen auftauchte.
Nach einigem Herumgerödel auf der System-CD präsentiert sich die ansprechende Oberfläche von MacOS 10.3.8. Für einen Mac-Abstinentler wie mich (meine letzten Erfahrungen mit Macs datieren aus den frühen Neunzigern) ist natürlich erst einmal Umschauen angesagt. Wo findet man eigentlich die installierten Programme? Wie kommt man in die Systemeinstellungen? Wie erfahre ich, ob und wie sich der Mac ans LAN angemeldet hat? Und wie lerne ich, mit einer Eintastenmaus ohne Mausrad zu leben? Wie schreibt man eMails, wenn sich das @ auf Alt-L versteckt?

All diese Hürden ließen sich nehmen und da die Anschaffung des Mac mini sehr kurz vor der Veröffentlichung von MacOS 10.4, Codename Tiger, fiel, hatte ich auch gleich das Vergnügen, ein System-Update auf einem Mac mitzuerleben bzw. mitzuerleiden.

Obwohl die Anzahl installierter Programme weit geringer ist als bei einer Standardinstallation von Redhat Linux oder SUSE Linux, dauerte es eine geschlagene Stunde, bis der Mac mit dem neuen Tiger bootete. Auch danach war erst einmal eine kleine Gedenkpause zur Selbstfindung angesagt. Nun dauert ja auch ein Update einer handelsüblichen Linux-Installation seine Zeit, aber da wandern in der Regel auch drei bis vier Gigabyte auf die Festplatte. Bei Tiger sind es ca. 2.5 GB und dem Geräusch des optischen Laufwerks nach werden die alle einzeln von der DVD gelesen, bewertet, für gut befunden und erst dann auf die Festplatte geschrieben. Und als wenn Apple seinem eigenen Herstellungsprozess nicht traut, verschwendet das Installationsprogramm einen guten Teil der Zeit damit, das Medium zu überprüfen.

Aber OK, es soll eben alles fool prooved sein und als Hobby-ITler hat man ja genügend Zeit. Ob man die dann aber damit vergeuden sollte, mit dem anscheinend kaputten Netzwerk-Systemwerkzeug einen klaglos von anderen Betriebssystem-Installationen zu findenden HP Drucker, der von einem Windows XP Rechner freigegeben wurde, anzubinden und dabei größere Mengen fehlerhaft bedruckten Papiers zu erzeugen, lasse ich mal so im Raum stehen. Die Netzwerk-Freigaben auf Verzeichnisse, sowohl über samba als auch native über WIndows XP, die dem kleinen Äpfelchen noch verbogen bleiben, kommentiere ich hier mal auch nicht, sondern hoffe auf eine schnelle Nachbesserung seitens Apple, denen wohl auch schnell klar wurde, daß gerade ein derartiger Umsteiger-Mac nicht ohne fehlerlose Einbindbarkeit in Windows-Netzwerke auskommt.

Fazit, wenn man mit Macs schon länger lebt, hat man seine Freude an dem kleinen Ding. Hat man noch nie einen Rechner gesehen, hat man auch seine Freude an dem kleinen Mac. Kommt man von Windows, wird man sich alsbald seinen alten Rechner zurückwünschen. Und kommt man von Linux, fragt man sich ziemlich schnell, warum so verdammt wenig Software installiert ist 🙂

Carpe diem,

Frank

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