LaTeX Textsatz mit kile

Ein paar Worte vorweg…

In meinem ersten Artikel, LaTeX leicht gemacht, professioneller Textsatz für Sado-Masochisten, habe ich das Erstellen eines einfachen LaTeX-Dokuments mittels der TeX-Shell xtem erklärt. Mittlerweile ist ein bißchen Zeit ins Land gegangen und zu meiner Lieblingsdistribution gehört außer xtem eine modernere TeX-Shell namens kile. Da ich für gute Editoren immer zu haben bin, besonders wenn sie sinnvolle Zusatzfunktionen anbieten, werde ich in diesem Artikel auf die Benutzung von kile näher eingehen.

Grundlagen in aller Kürze

Textsatz mit TeX funktioniert etwas anders, als man es von Textverarbeitungsprogrammen wie OpenOffice oder MS Office gewohnt ist. Das Verfassen des eigentlichen Textes erfolgt in einem Editorfenster, das spätere Erscheinungsbild wird mittels in den Text eingefügter Formatierungsbefehle gesteuert und ist erst nach einem TeX-Durchlauf in einem separaten Programmteil kontrollierbar. Klingt umständlich, ist es aber nicht. In der guten alten Zeit, als Geschriebenes noch durch den Inhalt wirken mußte, wurde so gearbeitet und Autoren von wissenschaftlichen Werken oder EDV-Literatur arbeiten auch heute noch so. Auf diese Art kann man sich beim Textverfassen ganz auf den Inhalt konzentrieren und kümmert sich um die Formatierung und das spätere Erscheinungsbild erst kurz vor der Fertigstellung. So lassen sich ganze Tage, wenn nicht Wochen beim Erstellen einer Diplom- oder Doktorarbeit einsparen, die man nicht damit verschwendet, schon das halbfertige Dokument gut aussehen zu lassen.

Für einen schnellen Einstieg in LaTeX sei auf meinen o.g. Artikel verwiesen. Tiefergehende Beschreibungen finden sich (z.B. unter SUSE Linux 9.1 Pro) in der LaTeX-Kurzeinführung, /usr/share/texmf/doc/latex/general/l2kurz.dvi. Weitere Links folgen am Ende dieses Artikels.
Programmfeatures

kile stellt eine komplette Entwicklungsumgebung dar, in der man nicht nur TeX steuern kann, sondern auch einen komfortablen Editor mit Syntax-Highlighting zur Verfügung hat. Diverse Shortcuts zur Textbearbeitung, dem Einfügen von Befehlsblöcken sowie der TeX-Steuerung runden das Bild ab. Die wichtigsten Features im Überblick:

* Dokumenten-Assistent
* Vordefinierte Templates für Article, Report, Book und Letter
* Syntax Highlighting
* Auto-Vervollständigen von Umgebungen
* Strukturelemente als Sprungziel
* Inverse Suche (aus der DVI-Datei zurück ins TeX-File)
* Forward Search (aus dem TeX-File in die DVI-Datei)

Das Programmfenster teilt sich in drei Bereiche, links hat man die Wahl zwischen zwei Dateibaumansichten und diversen Sonderzeichenansichtem zum Einfügen per Mausklick, das Hauptfenster rechts enthält die Dateien, die gerade in der Bearbeitung sind und darunter sieht man das Logfenster, in dem man die LaTeX-Meldungen beim kompilieren mitlesen kann.

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Abbildung 1: Programmfenster von kile in der Editoransicht

Hat man entweder per kile-Assistent eine neue Datei erzeugt oder eine passende TeX-Datei geladen, kann man mittels Schnell-Erstellung einen Blick auf das Werk tun. Dabei wechselt das Programmfenster in den DVI-Modus, in dem man die erzeugten Seiten kontrollieren oder auch ausdrucken kann. Durch Klick auf das Editor-Symbol in der Buttonleiste kommt man wieder in den Editor-Modus.

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Abbildung 2: Programmfenster von kile im Vorschaumodus

In medias res

So, genug der Vorrede, wie benutzt man kile denn nun? Vor die Benutzung hat der große Tux die Installation gesetzt. Um mit kile sinnvoll arbeiten zu können, ist in erster Linie TeX nötig. Unter SUSE Linux 9.1 muss man in YaST – Software installieren auswählen und dann in der Paketgruppenansicht unter Produktivität – Publishing – TeX mindestens te-latex, kile und kdegraphics3-tex selektieren. Sinnvoll ist auch noch die Installation von te-pdf, einer TeX-Version, die direkt PDFs erzeugt. Will man neben Gedrucktem oder PDFs auch noch HTML aus den eigenen Werken erzeugen, bietet sich die zusätzliche Installation von latex2html an. Dieses Programm kann ebenfalls von kile aus bedient werden.

Diverse Megabytes später hat man ein fertig konfiguriertes TeX/LaTeX-System inklusive Shell auf dem Rechner. Unter SUSE Linux 9.1 findet man den Eintrag für kile im KDE-Menü unter Büroprogramme – Textverarbeitung.

Das Erstellen und Bearbeiten von Texten hat bei mir sofort funktioniert, nur die DVI-Anzeige wollte nicht so recht, bis ich kdegraphics3-tex nachinstalliert hatte. Alternativ kann man in Einstellungen – kile einrichten auch andere Anzeigeoptionen auswählen. Die inverse Suche funktioniert allerdings nur mit kdvi.

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Abbildung 3: Einstellungsdialog von kile

Eine normale Arbeitsabfolge beginnt mit der initialen Erstellung einer Datei. Dazu bietet kile neben dem leeren Dokument vier verschiedene Vorlagen, die Standarddokumente Article, Report, Book und Letter.

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Abbildung 4: LaTeX Dokumentvorlagenauswahl in kile

Artikel wie dieser können direkt im Artikle-Style verfasst werden. Im Unterschied zu Report kennt Article keine Kapitel (chapter) sondern als oberste Gliederungseinheit die section. report eignet sich für Dokumente von 10 bis ca. 30 Seiten, danach sollte man sich Gedanken machen, zum book-Style zu wechseln. Wechselt man von article zu report (indem man die documentclass entsprechend anpasst), sollten alle sections durch chapters ersetzt werden, da die Nummerierung sonst etwas seltsam aussieht.

Nachdem man seine schöpferische Kraft in den Text hat einfließen lassen, will man natürlich auch sehen, wie es aussieht. Dazu bietet kile gleich drei Wege. Die schnellste und beim Bearbeiten sicher einfachste ist die Schnell-Erstellung. Ansonsten kann man auch über Erstellen – Kompilieren – LaTeX/PDFLaTeX einen echten LaTeX-Lauf anstossen und sich das Ergebnis mittels View DVI bzw. View PDF ansehen. Sollten sich Inhaltsverzeichnis, Tabellenverzeichnis, Textverweise und ähnliches nicht aktualisiert haben, hilft ein erneuter LaTeX-Durchgang.

Die entstandene DVI-Datei kann nun direkt ausgedruckt oder z.B. in Postscript oder PDF umgewandelt werden, um sie z.B. online weiterzuverteilen. Mit dem Button LaTeX to HTML wird aus einem TeX-Dokument eine Reihe von untereinander verlinkten HTML-Seiten erzeugt, die sich an der Gliederung des Originaldokuments orientiert, komplett mit Grafiken.
Feinarbeiten

Und wie kommen nun die Grafiken in den Text. Nun ja, ganz so einfach wie bei Textverarbeitungen ist es nicht, dafür wird es aber im Ausdruck wesentlich professioneller. TeX arbeitet nur mit Encapsulated Postscript wirklich gut zusammen. Screenshots erzeuge ich immer mittels ksnapshot. The Gimp z.B. kann dann aus allen gängigen (und sogar einigen exotischen) Bitmap-Grafiken EPS erzeugen, die schließlich per Menüoption LaTeX – includegraphics{file.eps} ins TeX-File eingebunden werden können. Man sollte darauf achten, daß die entsprechenden Dateien auch tatsächlich die Endung .eps tragen. Die Schnell-Erstellung von kile kann zwar auch mit .ps Endungen arbeiten, der eigentliche LaTeX-Lauf ließ die Grafiken aber mit der Warnung, er könne mit der Endung nichts anfangen, aus.

Interessanterweise kann PDFLaTeX scheinbar nichts mit EPS-Dateien anfangen. Will man PDFs aus Texten erzeugen, die EPS-Grafiken enthalten, bleibt daher nur der kleine Umweg, aus dem DVI per Erstellen – Konvertieren – DVI to PDF die PDF-Dateien mit Bildern zu erzeugen.

Natürlich bietet auch latex2html noch diverse Einstellmöglichkeiten, auf die ich hier nicht eingehen kann. man latex2html zeigt, was man damit noch alles anstellen kann, um aus Büchern in LaTeX komplette Webseiten zu extrahieren.

Resourcen

 

 

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