Mein erster Tag als Führerschein-Inhaber

Wann ich das erste Mal selbst einen Käfer gefahren habe, läßt sich sehr genau datieren. Es war am 03.09.1981. Ich hatte gerade den Führerschein gemacht, als ich auch schon die nächste Telefonzelle ansteuerte, um meine Mutter vorzuwarnen, daß ich gleich vorbeikommen würde, um mir ihr Auto zu leihen.

Wie Mütter nun mal so sind, erhob sie keine Einwände und ergab sich in ihr Schicksal. Von jetzt an würde sie ihr Auto mehr als nur gelegentlich mit ihrem Sohn teilen müssen.

Ebendieser kam also per Straßenbahn am Parkplatz des Familienkäfers an. Nachdem meine Mutter mir Schlüssel und Papiere gegeben hatte, wollte sie natürlich auch zusehen, wie ich den am Straßenrand geparkten Käfer chauffierte.

Ich stieg mit stolzgeschwellter Brust ein, richtete Sitz und Spiegel, drehte den Zündschlüßel und rassel klingel sprang Elliot ohne Zögern an. Also Gang eingelegt, nach einer Lücke im Verkehr gesucht, anfahren und …

…abgewürgt!

OK, der Stolz schwand etwas, aber schließlich kann es passieren, daß man beim ersten Anfahren in einem unbekannten Auto mal zuwenig Gas gibt. Also die gleiche Prozedur wiederholt, anlassen, Gang rein, Lücke suchen, anfahren und …

…wieder abgewürgt!

Langsam lief ich etwas schamrot an, wiederholte die Prozedur, fuhr an und …

…würgte den Wagen wieder ab!

Ein zaghaftes Klopfen an der Beifahrertür machte mich endlich auf meine Mutter aufmerksam, die auch gleich einen hilfreichen Tip parat hatte:

Mach doch mal die Handbremse los!

Nunmehr war mein Stolz ganz im Keller. Meine Gesichtsfarbe wechselte von Schamrot zu leichenblaß, aber beim nächsten Versuch gelang der Stunt, ich kam endlich vom Fleck und ließ einen wissend grinsenden Elternteil am Straßenrand, die sich wahrscheinlich gerade ausmalte, wie es wohl sein würde, nach Feierabend vom Filius nach Hause chauffiert zu werden.

Drei Kreuzungen weiter hatte ich mich schon etwas gefangen und konnte der Außenwelt wieder den souveränen Wagenlenker vorspielen. Und neben wem stand ich plötzlich an der Ampel? Natürlich neben meinem Fahrlehrer, der sich in gespieltem Schrecken gleich die Hände vor die Augen hielt. Aber bei dem Anfahrmanöver ging alles bestens…

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