Dachbodenfund 1: Kodak Retina 1a

Stöbern auf dem Dachboden hat was. Irgend etwas findet man immer, an dem Erinnerungen hängen. Diesmal ist mir meine erste Kamera in die Hände gefallen.

Es handelt sich um eine Kodak Retina 1a, Baujahr irgendwann zwischen 1951 und 1954. Ich bekam sie als Siebenjähriger von meinem Vater. Das war irgendwann 1969.

Kodak Retina 1a

Kodak Retina 1a

Was ich damals schon klasse fand, war die Mechanik, mit der man das Objektiv ausfuhr. Durch einen kleinen Knopf auf der Unterseite entriegelt man die Objektivklappe und beim Aufklappen fährt das Objektiv heraus und erlaubt einen Blick auf den Balgen.

Photographierausflüge sahen üblicherweise so aus, dass ich in etwa die gleichen Motive aufnahm, wie mein Vater, dem dafür allerdings eine Zeiss Ikon Contaflex zur Verfügung stand. Die wiederum hatte einen Belichtungsmesser. Die Dialoge spielten sich dann in etwa so ab:

Frank: “Papa, was muss ich denn einstellen?”

Papa: “Blende auf 5,6, Zeit auf 100″

Frank: “und wie weit ist … weg?”

Papa: “Schätz doch mal…”

Frank: “weiter als 10 m?”

Papa: “ja”

Frank: “OK, dann nehm’ ich unendlich”

Retina: *click*

Zuerst durfte ich nur Schwarzweißfilme benutzen, später, als sich mein Vater von meinen Motivsucheigenschaften überzeugt hatte, durfte es auch mal ein Farbfilm sein. Immer im Hinterkopf hatte man natürlich, dass jedes Photo kostbar war und man nicht einfach so aus Jux knipste. Schließlich kostete jeder Abzug Geld, egal ob unterbelichtet, überbelichtet oder verwackelt.

Auch heute noch fasziniert mich die Mechanik dieser über fünfzig Jahre alten Kamera. Da das Objektiv weiter heraus fährt, wenn man auf kürzere Entfernung photographiert (logisch), sperrt die Kamera den Objektivdeckel, bis man wieder auf Unendlich gestellt hat. Ansonsten würde beim Einklappen ja das Objektiv beschädigt.

Und wenn bei gespannten Aufzug der Objektivdeckel geschlossen ist, ist der Auslöser gesperrt, damit man nicht dauernd schwarze Photos macht.

Klar wird das mit einfachen Mitteln erreicht. Aber es ist elegant und durchdacht.

Jetzt wird die Kodak Retina jedenfalls nicht mehr auf dem Dachboden verschwinden, sondern einen Platz in der Vitrine bekommen.