R.I.P. Familienkutsche

Nissan-Primera

Nissan Primera 2.0 Turbo

Das hier ist das letzte Photo von Dir, aufgenommen vier Tage, bevor Du in den Ruhestand geschickt wurdest.

Du hattest ein bewegtes Leben, erst als Firmenwagen, dann als Familienkutsche für Frau und Kind.

Dabei hast Du so manches aushalten müssen. Du verbrachtest einen Großteil Deines Autolebens hier in Märkisch-Oderland, wo die Straßen nicht die besten sind und es noch nie waren. Der Chef ist Dir hinten drauf gefahren, was Dir zwar ein neues Heck bescherte, was aber auch der Grund dafür war, weshalb die automatische Kofferraumöffnung auf Hebelbetätigung nie wieder richtig funktionieren wollte.

Besonders hervorheben sollte ich die 540° Kehre bei Tempo 100+, die Du auf der Autostrada hingelegt hast, als das Lenkrad, ausgelöst durch einen Schreckmoment, verrissen wurde und Du die eineinhalbfache Drehung um Dich selbst durchgezogen hast, ohne größeren Schaden zu nehmen und ohne Deine Insassen zu beschädigen. Chapeau dafür.

Du hattest alle Annehmlichkeiten, die anno 1993 für ein Auto wie Dich von Nissan-Ingenieuren und Marketingstrategen für nötig erachtet wurden. Vier Türen, elektrische Fensterheber, elektrisch einstellbare Außenspiegel, einen zwei Liter Turbomotor, 120 PS. Natürlich litt all das unter der täglichen Beanspruchung durch die Jahre.

Selbst mit halb weggerosteten Querlenkeraufnahmen warst Du mit Tempo 150 noch zu fahren. OK, Du warst vorher zweimal deswegen in der Werkstatt, aber wir erwähnen hier einfach nicht, welche Nissan-Vertragswerkstatt östlich von Berlin die Schilderungen Deiner Fahrerin nicht ernstgenommen hat.

Ansonsten brauchte man Dir nur gelegentlich neues Benzin einflößen, nicht mal im Übermaß, und Du tatest klaglos Dienst. Danke dafür.

Nur die Macke mit der nicht funktionierenden Lüftung wolltest Du nie ablegen. Und das es, vor allem im Winter, auf längeren Autobahnfahrten fürchterlich an der Beifahrertür zog, das war auch so eine Macke von Dir.

Immer wieder erstaunlich dafür, dass man in Dich, trotz Limousinenaufbau, problemlos einen zweieinhalb Meter langen Weihnachtsbaum hineinbekam. Auch dafür Danke.

Mach’s gut, Alter!

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