Reise nach Berlin oder Die Entdeckung der Langsamkeit

Endlich ist es soweit. Fritzchen startet dank neuem Unterbrecherkontakt und nimmt dank des überholten Vergasers auch wieder Gas an. Jetzt kann der Oldie-Umzug nach Berlin stattfinden.

Nachdem Fritzchen aus der Werkstatt kam, ging es erst einmal zur Tankstelle, Betriebsstoffe nachfüllen. Benzin tanken ist noch das einfachste Ritual. Kofferraumhaube auf, Tankdeckel abschrauben und rein mit dem bleifreien Normalbenzin in den Tank. Danach dann noch den flüssigen Blei-Ersatz dazu und den Tank wieder zuschrauben.


Jetzt noch Wischwasser auffüllen. Das funktioniert bei Fritzchen per Druckbehälter. Das Wasser wird eingefüllt, dann wird der Behälter dicht zugeschraubt und danach über das in den Behälter eingebaute Autoventil 3.5 bar Druckluft dazugegeben. Und was passiert, wenn man durch’s Handy abgelenkt wird und stattdessen fünf oder sechs bar Druck draufgibt? Ganz einfach, es macht plopp und splash und der Schlauch geht vom Wischerschalter ab und das Wasser ergiesst sich von hinten in den Armaturenbrettbereich.
Au Sche$&§e, was denn nun? Einfache Antwort, sofort den Druckbehälter wieder aufschrauben, dann den Schlauch wieder aufstecken und warten, bis das Wasser abgetropft ist. Käfer sind old technology, die funktionieren nötigenfalls auch komplett unter Wasser. Zumindest Fritzchen hat die Dusseligkeit seines Fahrers tapfer weggesteckt.
Aber weiter mit der Reisebeschreibung. Von Hannover nach Berlin sind’s so ungefähr 280 km plus ca. 70 km bis nach Fredersdorf, man kann also mit ungefähr drei Stunden Fahrzeit rechnen, wenn’s nicht zu voll ist.
Das Entspannende daran ist, daß die Strecke über A2 und A10 komplett dreispurig ist, bis auf kurze Übergänge am Berliner Ring. Das heißt, man kann Überholvorgänge in aller Ruhe einleiten, ohne gleich als rollendes Verkehrshindernis wahrgenommen zu werden.
Durch simples Ausprobieren hat sich eine Geschwindigkeit von ca. 100 km/h (Tachoanzeige 110) als nahezu ideale Reisegeschwindigkeit herauskristallisiert. 100 reichen gerade aus, um nicht von LKWs überholt zu werden, die Geräuschkulisse hält sich aber noch im erträglichen, wenn nicht gar entspannenden Rahmen. Zum Überholen durften es dann auch mal 120 oder gar 130 sein, aber Fritzchen und ich kamen immer ziemlich schnell auf die 100-110 zurück. Entspanntes Autofahren par excellence. Da alle anderen deutlich schneller fahren, braucht man selbst nur gelegentlich eine LKW-Kolonne oder ein Gespann zu überholen, wozu dank der dritten Spur keine übertriebene Eile vonnöten ist.
Stellenweise schien sogar die Sonne, was mich dazu verleitete, Fritzchens Kapuze zu öffnen und barhäuptig mit geöffnetem Faltdach und Sonnenbrille dem Rausch der Geschwindigkeit zu erliegen.
Nach ungefähr dem halben Weg dann ein kurzer Tankstop für Mensch und Maschine. Knapp 8 Liter auf 100 km hat sich Fritzchen gegönnt und dabei keinen meßbaren Ölverbrauch gehabt. Die kurze Pause schadet ihm nicht, er springt sofort wieder an und weiter geht’s.
50 km vor dem Ziel kommen wir an der Stelle vorbei, wo vor zwei Monaten der Motor meines Ford Puma sein Leben ausgehaucht hat, Kilometer 67,0 auf der A10. Ein kleiner Ölfleck auf dem Standstreifen markiert die Stelle, an der der Puma ausblutete.
Für Fritzchen kein Problem, der 40 Jahre alte Motor dankt mir die schonende Fahrweise mit zuverlässiger Funktion.
Nach gut drei Stunden und ca 350 km ist das Ziel erreicht, Fritzchen ist in Fredersdorf und kann sich auf seine Rolle als Hochzeitskutsche vorbereiten.

Fritzchen von oben

Fritzchen in Fredersdorf

Übrigens, auf dem ganzen Weg ist mir nicht ein einziger anderer Käfer begegnet. Fritzchen war der einzige Vertreter seiner Art. Nur vier gepflegt zurechtgemachte Trabbis habe ich überholt, zwei davon sogar mit passend lackierten Wohnwagen hintendran als Trabbi-Campinggespann…

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