Wikileaks und die Grenzen der Cloud

Da üben wir uns in Kritik an China, weil die herrschende Elite dort es scheinbar immer noch nicht begriffen hat, wieviel Freiheit man seinem Volk zumuten kann/darf/sollte.

Und hier, im freien Westen, wird ein Webauftritt aus dem Netz gefegt, ohne dass sich auch nur ein Politiker dazu zu Wort meldet. Und noch besser, Hauptverantwortlich für diesen unerhörten Akt der Zensur ist unser aller Vorreiter in Sachen Demokratie und freier Meinungsäußerung, die Vereinigten Staaten von Amerika. The. Land. Of. The. Free!

Dank den USA hat Amazon Wikileaks aus der Cloud gekegelt. Dank den USA ist Wikileaks derzeit hauptsächlich über die IP-Adresse verfügbar (http://213.251.145.96/). Dank den USA kann man Wikileaks keine Spenden über Paypal oder Mastercard senden. Und nicht zu vergessen, dank den USA hat Wikileaks überhaupt etwas zu berichten, was die Cowboys derart aufbringt, daß sie einen derartigen Druck auf Amazon, Paypal, Mastercard etc. ausübern.

Und die genannten Firmen ziehen hurtig den Schwanz ein, verweisen plötzlich und unerwartet auf ihre jeweiligen Geschäftsbedingungen und sperren Accounts, Inhalte, Domainnamen, Server und tun alles, um die Verbreitung der Wikileaks-Inhalte und die Unterstützung für Wikileaks zu ver- bzw. behindern.

Klar, wer für den Ku-Klux-Klan spenden will, kann das auch weiterhin tun, schließlich gibt es Paypal und Mastercard. Nur für Wikileaks kann man so nicht mehr spenden. Danke Obama.

Dabei steht alles, was Wikileaks zu Cablegate veröffentlicht hat, rein rechtlich gesehen zumindest in den USA nicht unter Copyright. Was also bewegt US-Senatoren, Druck auf amerikanische Firmen auszuüben. Der Glaube, damit das Problem eingrenzen zu können? Sorry, Senator Lieberman, damit erreichen Sie genau das Gegenteil. Vielleicht sollte man sich in Washington mehr mit Medienkompetenz beschäftigen. So kriegen Sie die Büchse der Pandora nicht wieder zu. Und das Gelächter aller Umstehenden, die über bessere Geheimhaltungsmechanismen zu verfügen scheinen, verstummt so auch nicht.

Und unsere Politiker? Wo ist Frau Aigner, unsere Verbraucherschutzministerin, wenn es mal wirklich was gibt, wofür man eintreten könnte? Aufwachen, Frau Aigner, hier könnten Sie Medienkompetenz beweisen und zumindest dem deutschen Verbraucher den Zugang zu den Wikileaks-Informationen erkämpfen. Eine einmalige Chance, sich ins rechte Licht zu rücken. Verpasst.

Nee, das Thema fasst keiner mehr an, seit die Woge über dem Büroleiter von Westerwelle zusammengefallen ist. OK, es reicht wahrscheinlich, um auf den Fluren im Reichstag verschmitzt über Westerwelle zu grinsen, aber für mehr geben sich unsere gewählten Volksvertreter wohl nicht her.

Was bleibt, ist der unangenehme Nachgeschmack, daß sich die Menschen selbst um die Informationsfreiheit kümmern müssen. Politiker, gleich welcher Nationalität, sind nicht für Informationsfreiheit zu haben.

Was auch bleibt, ist die Erkenntnis, daß die Cloud nur so frei ist, wie die Firmen, die ihre Dienste in der Cloud anbieten, es wollen.

Vielleicht wird es Zeit, freie Inhalte in eine freie Cloud zu verlagern…

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