Times are changing

Zoom, Zeitsprung in den Dezember 1997

Tja, da ist er, der Linuxanfänger, der sich Gedanken darüber macht, welche Linux-Distribution er sich zum Einstieg in das freie Betriebssystem gönnen sollte.

Im Lastenheft steht z.B. eine umfassende Dokumentation, die über eine ausführlich erklärte Installationsanleitung hinaus dem lernwilligen Linux-Neuling auch noch ein paar Linuxgrundlagen vermitteln soll. Umfassender Installationssupport (um all die kleinen Gizmos in seinem Rechner unter Linux zum Laufen zu bringen) ist ihm genauso wichtig wie ein möglichst einfach zu bedienendes Installationsprogramm.

Zur Vorbereitung der Installation soll eine gute Komponentendatenbank dienen, in der alle aktuellen und auch ältere Komponenten mit ihrem Status bezüglich Linux-Kompatibilität zu finden sind. Abgerundet wird all das durch ein wirklich umfassendes Softwareangebot. Und last but not least ist die informative Supportdatenbank mit Hinweisen, wie mit etwaigen Softwarefehlern umzugehen ist, eines der schlußendlich kaufentscheidenden Argumente. Da all das in SuSE Linux vereint ist, fällt die Entscheidung nicht schwer, S.u.S.E. Linux 5.1 muss her. Na gut, der Netscape-Webbrowser ist nicht dabei, aber den kann man sich ja aus dem Internet besorgen. Vorausgesetzt, man hat es geschafft, sich einen Kernel mit ppp-Unterstützung zu kompilieren. OK, die Soundkarte kriegt man mit dem Kernel vielleicht nicht zum Laufen, aber wozu auch, Linux ist schliesslich was zum Arbeiten, nicht zum Spielen…

Zoom, Zeitsprung in den Oktober 2003.

In den USA ist die Erbpräsidentschaft eingeführt worden und um SuSE Linux steht es auch nicht zum Besten (Hubert, verzeih mir).

Die CDB ist veraltet, der Installationssupport umfasst weder Soundkarte noch Netzwerkadapter (wer braucht auf einem modernen Rechner schon Töne oder eine Netzanbindung) und die SDB versteckt sich hinter einer kundenabweisenden Firewall namens portal.suse.de. Und dieses Portal ist extrem wissbegierig, bevor sie den geduldigen SuSE-Kunden endlich mit Supportinformationen zu Produktfehlern versorgt.

Aber sollte sich denn alles zum Schlechteren gewandelt haben? Nein, Dokumentation und Softwareumfang sind qualitativ gleich geblieben und das Installationsprogramm hat in der Version 2 ein paar echt coole Features dazubekommen.

Bleibt die Frage, ob ich persönlich mir als Einsteiger heute nochmal eine SuSE-Distribution kaufen würde? Natürlich, schliesslich gibt es kaum Alternativen. Knoppix braucht man zwar nicht zu installieren, aber Dokumentation und Support sind naturgemäß eher dünn. Red Hat hat sich zurückgezogen und bietet für den Privatanwender nur noch eine um diverse Serverkomponenten erleichterte Community-Variante namens Fedora. Mandrake dümpelt hart an der Grenze zur Wirtschaftlichkeit und hat leider immer noch eine eher dünne Dokumentation, dafür aber wenigstens eine mehr oder weniger vollständige Distribution zu bieten. Und Debian ist immer noch eher etwas für den erfahrenen Anwender, denn eine einfache Installation wie bei SuSE, Fedora oder Mandrake sucht man dort weiterhin vergeblich. Also bleibt unserem Einsteiger fast nur der Biss in den sauren Apfel.

Ist das noch Open Choice? Aber klar, niemand zwingt einen, ein bestimmtes Linux zu installieren. Das wirft natürlich die Frage auf, warum sollte man sich überhaupt Linux installieren? Das Angebot an kommerziellen Spiele ist sehr übersichtlich um nicht zu sagen nicht existent und einen legalen DVD-Player sucht man weiterhin vergeblich.

Bevor nun ein Aufschrei der Entrüstung durch die Menge geht, natürlich gibt es mehr den je gute Gründe, Linux zu benutzen und sogar darauf umzusteigen, wenn man es nicht längst getan hat:

  • Win32-Software erreicht neue Höhen in den Anschaffungspreisen, während die installierten Programme unkontrollierbar vom Anwender mit den Softwareschmieden plaudern. Selbst Drucker werden unter Windows geschwätzig.
  • Im Gegenzug wird die Installation von Linux immer einfacher, mittlerweile ist das automatische Verkleinern von Windows-Partitionen schon eher die Pflicht als die Kür und sogar NTFS-Partitionen lassen sich datenverlustfrei eindampfen, um der freien OS-Liebe Platz zu machen.
  • Die Verbindung mit dem Internet, egal ob mittels Modem, ISDN-Karte oder DSL lässt sich kinderleicht schon während der Installation vornehmen.
  • OpenOffice hat einen Grad an Stabilität und Funktionsumfang erreicht, der selbst dem letzten MS Office Adepten den Wind aus den Segeln nimmt.
  • Linux unterstützt GDI-Drucker, USB-Scanner und was es sonst noch so an Windows-philen Gizmos gibt.

Zoom, Zeitsprung in den Januar 2004

In den USA gilt zwar immer noch die Erbpräsidentschaft, aber die gute alte Supportdatenbank ist wieder erreichbar ohne dass man alle persönlichen Informationen bis hin zur Hutgröße angibt. Mandrake ist aus den gröbsten finanziellen Problemen heraus, Red Hat hat wider Erwarten doch noch eine Desktop-Distribution im Angebot, SUSE hat mit Novell einen starken Partner gefunden und dabei das kleine „u“ verloren, Xandros zeigt mit Version 2 des Xandros Desktop Linux, wie nah an Windows ein Linux sein kann (O-Ton c’t 26/2003) und der Kernel 2.6 wird produktiv einsetzbar.

Zoom, Zeitsprung in den Februar 2004

Es gibt sie noch, die Traumkarriere im IT-Business, vom Linux-Betatester zum Firmenchef. Jetzt gerade hat es Markus Rex getroffen, ehedem SuSE-Betatester, dann SuSE-Entwickler, kurz darauf SuSE-Entwicklungschef und jetzt Leiter der SUSE Linux Business Unit von Novell. Damit gibt es nach zweieinhalb Jahren wieder einen SUSE-Chef, der wirklich weiss, wie man einen Kernel kompiliert

Man sieht, alles wird gut und was Linux angeht, weiterhin immer besser.

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