Fritzchen und der gelbe Engel

Gestern erreichte mich die unerwartete Nachricht, daß Fritzchen auf dem Weg zu Jürgens Werkstatt nach ca. 600 m den Dienst eingestellt hatte und sich nicht mehr zum Starten überreden ließ.

Als ich ihn abends dann besuchte, wo Jürgen ihn mittels Muskelkraft geparkt hatte, ließ er sich auch von mir nicht mehr zur Mitarbeit bewegen. Kein Problem, dafür ist man ja schließlich seit 20 Jahren im ADAC. Die freundliche Dame nahm den Hinweis auf die 6 Volt Elektrik dankend auf und versprach, im Lauf der nächsten Stunde ein Straßenwacht-Fahrzeug vorbeizuschicken.

Der gelbe Engel kam dann in Gestalt eines gelben VW Sharan, vollgestopft mit allerlei Hilfsmitteln und einem kundigen Helfer. Nach relativ kurzer Zeit war der Übeltäter eingekreist und dingfest gemacht. Der Unterbrecherkontakt im Verteiler öffnete nicht mehr, weil die kleine Bakelit-Nase, die durch die Nocke der Verteilerwelle angestupst werden sollte, um den Kontakt zu unterbrechen, mittlerweile viel zu kurz war. Dadurch war der Unterbrecherkontakt immer geschlossen und Fritzchen konnte nicht starten.

[singlepic=33,160,120,,right]Vor zwanzig Jahren wäre das gar kein Problem gewesen, da hätte jedes Straßenwachtfahrzeug ein passendes Ersatzteil dabei gehabt. Aber die Zeiten ändern sich und die Käfer werden auf den Straßen rarer, also half nur ein Notbehelf, den Unterbrecherkontakt so weit wie möglich in Richtung Nocke verschieben. Allerdings war Fritzchen mittlerweile durch die häufigen Startversuche rettungslos abgesoffen. Angeschleppt werden musste er also sowieso, weshalb der Mann vom ADAC und ich überein kamen, Fritzchen gleich zur nächsten Werkstatt zu schleppen.

So saß ich also zum ersten Mal seit knapp zwanzig Jahren wieder in einem abgeschleppten Käfer, nur gut eineinhalb Meter hinter dem ADAC-Sharan. Das Abschleppseil war um die Vorderachse geschlungen, denn eine Abschleppöse hat Fritzchen vorn nicht. Gaaaanz langsam, möglichst ruckfrei, fuhr der gelbe Engel an und zog Fritzchen und mich butterweich in Richtung Werkstatt. Ich hatte permanent den rechten Fuß auf der Bremse und die rechte Hand an der Handbremse, um das Abschleppseil möglichst straff gespannt zu halten und auf etwaige Bremsaktionen schnellstmöglich reagieren zu können. Schließlich dürfte Fritzchens Bremsweg in etwa doppelt so lang sein, wie der des Zugfahrzeugs. 40 Jahre Bremsentwicklung fordern eben ihren Tribut.

Problemlos an der Werkstatt angekommen, fachsimpelten wir noch ein wenig darüber, in welchen Abständen man bei derartigen Autos Zündkerzen und Unterbrecherkontakt wechseln sollte. Die Empfehlung des kundigen Straßenwächters war, ca. alle 10.000 Kilometer zu wechseln. Nun wird Fritzchen wahrscheinlich nie so viele Kilometer im Jahr zurücklegen, weshalb ich in meine persönliche ToDo-Liste aufgenommen habe, jedes Jahr einmal diese Prozedur durchzuführen 🙂 Kostet wenig und schadet sicher nicht…

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