Google Chrome: Hype oder Strohfeuer

Nun ist es passiert, Google hat etwas getan, was wohl ausser Google nur Apple schafft, eben mal aus dem Handgelenk ein Produkt gebastelt und alle Welt interessiert sich dafür und die etablierten Marken sehen alt aus.

Was für Apple das iPhone ist, könnte für Google Chrome werden, der neue Browser, den Google Anfang dieser Woche veröffentlicht hat.

Plötzlich ist alle Welt dabei, sich über Google Chrome auszutauschen. Und so ganz nebenbei erobert sich Chrome dadurch den vierten Platz im Browserranking. Gestern liefen schon Meldungen durch die Blogosphäre, dass Chrome mittlerweile Opera überholt hat. Andere wollen wissen, dass der Siegeszug von Chrome hauptsächlich zu Lasten von Safari geht.

Als webinteressierter Tech-Geek habe ich natürlich die Big Five auch auf meinen Rechnern, soweit es möglich ist. Wobei, je nach OS unterscheidet sich die Bande naturgemäß. Unter Linux bleibt der Internet Explorer aussen vor, dafür findet sich der Konqueror nicht so ohne weiteres unter Windows.

Welchen Browser man installiert hat und welchen man tatsächlich benutzt, steht dabei natürlich auf einem anderen Blatt. Die Zeiten, als sich Netscape/Mozilla und Internet Explorer eigentlich nur durch wechselnd auftretende Sicherheitslücken und verschieden mangelhafte Standardimplementierung der HTML-Tags unterschieden, sind lang vorbei.

Wer heute unter Windows etwas anderes als den Internet Explorer nutzt, weiss sehr genau, warum er zu einem der anderen Browser greift. Für Opera spricht das Benutzerkonzept und die Integration alternativer Mail- und Torrentclients, Safari ist Erster beim Seitenaufbau und Firefox trumpft mit den zahlreichen AddOns auf, mit denen man den Browser an die persönlichen Bedürfnisse anpassen kann.

Wie passt Chrome da noch zwischen? Die alternative Darstellung von Tabs und der Verzicht auf ein separates Sucheingabefeld? Etwas dünn als Alleinstellungsmerkmal. Für den einen oder anderen benutzer mag die Übersichtlichkeit der Einstellmöglichkeiten ein Plus sein, den anderen stört genau diese „Übersichtlichkeit“, weil er für ihn wichtige Einstellmöglichkeiten vermisst.

Mir zum Beispiel fehlt die Möglichkeit, Werbung auszublenden. Das AdBlock-AddOn ist jeweils das erste, dass ich einer neuen Firefox-Installation hinzufüge. Allein deshalb haben IE, Safari und Chrome bei mir Minuspunkte.

Man wird sehen, um welche Funktionen Google seinen Chrome-Browser in der Zukunft noch bereichert. Die derzeitige Betaversion läuft zumindest stabil und ist schnell. Ob Google jemals einen Werbeblocker implementieren wird, ist fraglich, damit würden sich die Googles ja ins eigene Fleisch schneiden. Die V8 genannte Javascript-Engine dürfte, da Open Source, sicher demnächst zumindest als Anregung für die etablierten Browser dienen.

Ganz ähnlich ging es auf dem Handymarkt nach der Veröffentlichung des iPhones zu. Das konnte zwar nicht viel, das Wenige aber beeindruckend gut. Also tauchten und tauchen immer noch neue Geräte der etablierten Anbieter auf, die versuchen, dem iPhone die Alleinstellungsmerkmale streitig zu machen. Den Nutzen hat langfristig der Anwender.

Wie bei den Browsern. Der Wettbewerb wird schon dafür sorgen, dass Chrome mit V8 nicht allein bleibt. Und die Suchfeldintegration ins URL-Feld ist für die anderen Anbieter eher eine Fingerübung.

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